Eine Kirche der Nähe und Weite

Resumée Diskussionsabend zur zukünftigen Gestalt von Kirche und Gemeinde

Am 7. April hatte Pfarrer Klaus Kempter zu einem Vortrags- und Gesprächsabend zum Thema „Welche zukünftige Gestalt wird Kirche und Gemeinde haben“ eingeladen. 14 Interessierte waren der Einladung gefolgt. Im Verlauf des Abends stellte Pfarrer Kempter Überlegung des Innsbrucker Pastoraltheologen Christian Bauer vor. Prof. Bauer zeichnet ein zukünftiges Bild von Kirche, die im Nahraum der Menschen stark präsent ist und sich zugleich in die Weite der gesellschaftlichen Räume aufmacht.

Im Blick auf das Konzil und auf das Handeln von Papst Franziskus sagt er, es gehe darum, „die evangeliumsbewegten Reformimpulse, mit denen Papst Franziskus auch die Pastoraltheologie in Atem hält, im Rahmen der dualen Ekklesiologie des Konzils eigenkontextuell zu verarbeiten: eine ‚introvertierte‘ Sammlungspastoral nach Lumen gentium, der ersten Kirchenkonstitution des Konzils, erfordert zugleich auch eine ‚extrovertierte‘ Sendungspastoral nach Gaudium et spes, dessen zweiter Kirchenkonstitution“(Bauer).

Mit aussagekräftigen Bildern zeigt er, was damit gemeint ist:

- Die Kirche der Zukunft wird aus umherziehenden Wanderpredigern und aus sesshaften Ortsgemeinden bestehen.

- Sie wird eine Kirche der Gründer von Gemeinden und Kirche der Siedler in Gemeinden sein.

- In ihr gibt es Fremdlinge, die zwischen den Häusern wohnen, und Gastwirte, die ihre Häuser öffnen.

- Kirche „im Innern“ ist wie viele kleine Lagerfeuer des Evangeliums inmitten der Welt.

- Sie hat heiße Kerne mit offenen Rändern und Menschen, die dafür sorgen, dass das Feuer nicht ausgeht.

- Kirche besteht aus Orten der Nähe (Gemeinden, Gemeinschaften) in einem Raum der Weite (Gesellschaft, Lebensraum, Region)

Wenn beide Pole im Blick behalten werden, helfen sie sich gegenseitig vor einseitigen Verengungen: „Die Nähe der Orte wehrt der potentiellen Ferne der Räume, und die Weite der Räume entgrenzt die potentielle Enge der Orte“ (Bauer).

Dazu muss Kirche aber weiterentwickelt werden:

Ad intra (nach innen, für die Gemeinden, Dekanate und Diözesen) braucht es auf allen Ebenen eine synodal verfasste Weggemeinschaft. Hier geht es um entschiedenes Christsein (Primat der Nachfolge). Gemeinden verstehen sich als Subjekt der Pastoral, die gemeinsam kreative Lösungen finden. Wichtig dabei ist die konsequente Umsetzung des Subsidiaritätsprinzips: Alles, was auf der unteren Ebene getan werden kann, wird auch dort getan.

Ad extra (nach außen, in die Gesellschaft hinein) braucht es eine missionarische, prophetische, diakonische Kirche und Pastoral. Es braucht pastorale Übergangszonen, Transitbereiche, Schnittstellen. Es braucht ein Umdenken, bei dem erkannt wird: Gott ist nicht nur in der Kirche zugegen, „Gott ist vor dem Missionar da.“ „Außen“, außerhalb unserer Gemeinde- und Kirchengrenzen sind nicht nur Suchende und Fragende, sondern auch Antwortende und Findende, Menschen, die zwar kirchenfern, aber nicht gottlos sind. Es braucht eine diversitätsfreundliche Kirche, die sich über die Vielfalt freuen kann, mit entsprechender Willkommenskultur. Christian Bauer sagt, es gehe darum, von der „flächendeckenden“ Pastoral zu einer „Flächen entdeckenden“ Pastoral zu kommen.

Sein Fazit lautet: „Eine solchermaßen konzilsbewegte, synodal verfasste und an die Ränder gehende ‚Kirche der Nachfolge‘ (Johann B. Metz) ist reichgottesfroh im Geiste Jesu und daher auch beteiligungsstark nach innen und entdeckungsfreudig nach außen. Und sie verwirklicht in ihrem Innern, was sie nach außen vertritt“(Bauer).

Der Abend endete mit der Frage, was in den Gemeinden unseres Dekanats erste Schritte sein können, um sich weiterzuentwickeln zu einer Kirche, die in der Nähe stark und „reichgottesfroh“ und in der Weite entdeckungsfreudig und ebenso zuhause ist. Der Prozess „Kirche am Ort – Kirche an vielen Orten gestalten“ bietet die Gelegenheit, sich auf den Weg zu machen. Aber es braucht eben die „Menschen, die dafür sorgen, dass das Feuer nicht ausgeht“.

Sind Sie, bist du dabei?